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Gedanken zum Weltfrauentag: Die Bedeutung einer guten Geburtshilfe für Frauen

Hebamme und Gründungsmitglied Sarah Wong-Herrlich hat anlässlich des Weltfrauentags ihre Gedanken zum Thema Geburtshilfe und die Bedeutung dieser für Frauen formuliert, die wir heute gerne mit Euch teilen möchten:


Mit der Filmvorführung der Dokumentation „muttermündig“ und dem anschließenden Podiumsgespräch am 15.3. beteiligt sich das Geburtshaus Freiburg in diesem Jahr gemeinsam mit den Unabhängigen Frauen Freiburg sowie der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/die GRÜNEN an dem offiziellen Rahmenprogramm der Stadt Freiburg zum Weltfrauentag. Wir freuen uns von Herzen auf diese Veranstaltung und vor allem auf einen lebendigen und konstruktiven Austausch mit dem Publikum!


Anlässlich des heutigen Weltfrauentag wandern meine Gedanken natürlich immer wieder auch zu unserem geplanten Geburtshaus. Von Anbeginn der Planungen ist dieses Herzensprojekt von wunderbaren Frauen getragen - und für mich ganz persönlich gehören tatsächlich auch meine eigenen Kinder, zwei davon Töchter, zu meinen größten Motivator*innen. Welches Bild möchten wir unseren Kindern, Töchtern, den Müttern von morgen, von den Prozessen rund um Schwangerschaft und Geburt vermitteln? Welche Möglichkeiten der Betreuung oder Begleitung sollen sie vorfinden, welche Wahlmöglichkeiten - vor allem auch die vielbemühte Wahlmöglichkeit des Geburtsortes - wird es noch geben?


Als ich mich gemeinsam mit meinen Mitstreiterinnen auf den Weg zur Gründung des Geburtshaus Freiburg gemacht habe, kam ich gerade selbst frisch aus meinem dritten Wochenbett mit meiner kleinen Tochter Wilma. Wie bereits bei den anderen beiden Kindern zuvor hatte ich das große Privileg, umfassend durch die Hausgeburtshebamme meines Vertrauens begleitet worden zu sein - von Anbeginn der Schwangerschaft an, über Geburt und Wochenbett hinaus. Dies ist, wie gesagt, leider ein Privileg und keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, denn immer weniger Hebammen können diese Betreuung anbieten. Alle drei Schwangerschaften und Geburten in dieser Atmosphäre von tiefem Vertrauen, immer wieder wohligem Staunen über dieses große Wunder der Natur, und vor allem bis ins letzte Detail selbstbestimmt und in meiner Eigenverantwortlichkeit gestärkt erlebt zu haben - das ist die wohl größte Kraftressource, die ich mir für mein Leben vorstellen kann. Diese Erfahrung trägt mich durch restlos alle weiteren Herausforderungen und Widrigkeiten, die das Leben als Hebamme und Mutter dreier kleiner Kinder mit sich bringt. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, die weibliche Urkraft erlebt zu haben und weiterhin in meinem Leben zu spüren. Sie erinnert mich immer wieder daran, wozu der menschliche - und im speziellen der weibliche Körper, Geist und die Seele in der Lage sind, wenn man sie nur lässt. Wenn sie so begleitet und unterstützt werden, dass sie ihr volles Potential entfalten und aus ihrer ureigenen Kraft schöpfen und wirken können. Diese Erfahrung ist wohl mit das größte Geschenk, das ich meinen Kindern - allen voran meinen Töchtern - mit auf ihren ganz eigenen Weg geben kann. Diese Erfahrung auch anderen Frauen, Kindern und ihren Familien möglich zu machen zählt zu meinen persönlichen Hauptgründen, die Gründung des Geburtshaus voranzutreiben.


Aber es ist auch das: Hausgeburtshilfe als einzelne Hebamme ist quasi ein 24/7-Job, ein Leben in Dauerrufbereitschaft und mit drei noch so jungen Kindern nicht vereinbar. Nicht zuletzt im Gespräch mit meinen Kolleginnen, die selbst in einer ähnlichen Lebensphase stehen, wurde mir klar: wir müssen uns eigene, neue Arbeitsformen kreieren, die uns beides möglich machen: Verlässlichkeit für unsere Familien und Kinder UND die Form der Hebammenarbeit und speziell Geburtshilfe, die wir anbieten und leben möchten. Gepaart mit der traurigen Tatsache, dass es in Freiburg seit mittlerweile drei Jahren keinen eigenen Ort für hebammengeleitete Geburtshilfe mehr gibt, lag die Lösung zügig auf der Hand: wir gründen wieder ein Geburtshaus!


In Deutschland gibt es rund 150 Geburtshäuser, die zum Teil seit den 90er-Jahren bestehen und florieren. Sie sind zurecht anerkannte, vollwertige Institutionen des Gesundheitswesens ihrer Städte und unerlässlicher Teil der Hebammenversorgung. Sie sind für Frauen und Familien, die sich diese Form der Betreuung wünschen, von unmessbarem Wert und begleiten diese, beispielsweise wenn noch weitere Geschwisterkinder folgen, oft über eine ganze Lebensphase hinweg. Und nicht zuletzt sind Geburtshäuser ein wichtiger Teil der Hebammenausbildung, denn im Rahmen von praktischen Einsätzen haben werdende Kolleginnen an diesen Orten die Möglichkeit, interventionsarme und hebammengeleitete Geburtshilfe zu erlernen.


So betrachte ich unser Geburtshaus von Beginn der Planungen tatsächlich als eine kleine Keimzelle für - vor allem - Frauen: all jene Frauen, die sich diese Form der Hebammenversorgung wünschen, all jene Töchter, die mit Müttern aufwachsen dürfen, die sie lehren werden, was selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt bedeuten, all jene werdenden Hebammen, die an diesem Ort lernen dürfen und diesen Wissensschatz weitertragen, und all jene Frauen, die hier das für sie optimale Arbeitsumfeld vorfinden und hoffentlich viele Jahre glücklich als Hebamme für unsere Gesellschaft wirken werden.


In diesem Sinne wünschen wir allen wunderbaren, starken Frauen einen kraftvollen Weltfrauentag!

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