• Geburtshaus Freiburg

Ein offener Brief an OB Martin Horn


Von Beginn unserer Gründungsarbeit an war es uns ein großes Anliegen, die Stadt Freiburg als Unterstützer des Geburtshaus Freiburg mit ins Boot zu holen. Wir waren hierzu in Gesprächen mit den einzelnen Fraktionen im Gemeinderat, haben uns immer wieder persönlich vorgestellt, eine Petition gestartet und diese unserem Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn persönlich überreicht. Über die darauf folgende interfraktionelle Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen und CDU freuten wir uns sehr.


Allerdings ist unsere Verhandlungsposition durch das Loch, das die Corona-Pandemie in den Haushalt der Stadt gerissen hat, nicht besser geworden. Zugleich hat die Pandemie die Versorgungslage verschärft und die Nachfrage nach unserer Arbeit und nach außerklinischer Geburtshilfe hat sich mehr als verdoppelt. Wir fänden es fatal, wenn nun ausgerechnet im Bereich Gesundheitsprävention/ Frauengesundheit weiter gespart würde und haben uns deshalb erneut in einem offenen Brief an OB Martin Horn gewandt. Lest selbst:


Sehr geehrter Herr OB Horn,


die Corona-Pandemie, mit der wir seit Anfang des Jahres konfrontiert sind, hat vor Augen geführt, dass die Gesundheitsversorgung eines unserer höchsten Güter ist. Dies gilt in besonderem Maße auch für die Versorgung Schwangerer, Gebärender, Wöchnerinnen und ihrer Kinder - sowie des gesamten Familiensystems.


Ihnen als bald dreifachem Vater dürfte bewusst sein, wie immens wichtig eine gute Hebammenversorgung in dieser alles verändernden Phase im Leben einer Familie ist. Während Sie und Ihre Familie möglicherweise - und glücklicherweise nicht persönlich von Hebammenmangel betroffen sind oder

waren, gibt es dennoch auch in unserer Stadt Familien, die nicht ausreichend mit Hebammenhilfe versorgt sind - mit allen Konsequenzen, die daraus folgen können. Leider sind dies - wie so oft - vorwiegend genau jene Familien, die Unterstützung, Begleitung und Beratung besonders dringend benötigen würden.


Seit fast zwei Jahren befindet sich das Team des Geburtshaus Freiburg in der Gründungsphase und somit auch in Gesprächen mit verschiedenen Stadtratsfraktionen. Was folgte, war eine interfraktionelle Anfrage von Bündnis 90/ Die Grünen sowie CDU, um das Thema Investitionskostenzuschuss für das

Geburtshaus Freiburg erstmals auch in der Verwaltung einzubringen. Mit einzelnen Vertretern des Freiburger Stadtrats stehen wir seitdem fortlaufend im Kontakt. Wir wissen daher um den grundsätzlichen Unterstützungswillen aus verschiedenen politischen Richtungen im Stadtrat.


Um darzustellen, dass wir uns auch auf großes Interesse seitens der Zivilgesellschaft berufen dürfen, haben wir Ihnen im September 2019 unsere Petition inklusive mehr als 5300 Unterschriften und Statements überreicht. Zahlreiche Freiburger Familien haben sich im Nachklang in einem offenen Brief an Sie nochmals für die Unterstützung des Geburtshaus Freiburg eingesetzt. Nun, im Herbst 2020, steht das Geburtshaus nach langer Immobiliensuche vor dem Beginn der Umbaumaßnahmen. An seinem Entstehungsort in der Schreiberstraße nimmt das Geburtshaus zukünftig einen zentralen Platz in

unserer Stadt ein.


Dank der Unterstützung der Neumayer-Stiftung in Höhe von 150.000€ sowie derzeit weiterer knapp 20.000€ privater Spenden können wir den größten Teil der Umbau- und Einrichtungskosten bereits stemmen. Was übrig bleibt, ist eine Finanzierungslücke von ca. 80.000€.


Sehr geehrter Herr OB Horn,


wir möchten Sie heute nun erneut darum bitten, einen Investitionskostenzuschuss von 50.000€ für das Geburtshaus Freiburg in den kommenden Haushalt aufzunehmen. Mit dieser einmaligen Starthilfe könnten Sie ein Zeichen setzen und sich in die Reihe anderer deutsche Städte einreihen, die „ihre“

Geburtshäuser ebenfalls unterstützt haben.


Es wäre ein so wichtiges Zeichen der Anerkennung - sowohl der Anerkennung des großen Wunschs der Freiburger Frauen und Familien nach der Betreuung und Begleitung sowie Geburt in einem Geburtshaus, als auch der Anerkennung der unerlässlichen Arbeit, die wir Hebammen für unsere Gesellschaft leisten und trotz widriger Umstände weiter leisten möchten.


Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass Freiburg auch weiterhin seinem Ruf als familienfreundliche Stadt gerecht werden kann. Wir möchten einen Gegentrend zum Hebammenmangel initiieren - mit einem zukunftsträchtigen Arbeitsmodell, das Hebammen ermöglichen soll, viele Jahrzehnte in ihrem Beruf zu verbleiben, ohne nach (derzeit durchschnittlich) 5-7 Jahren auszubrennen und auszusteigen. Mit unserer Kooperation mit der neuen Freiburger Hebammenschule, der Hebammenakademie Südwest, möchten wir einen Beitrag zur Ausbildung künftiger Kolleginnen leisten.


Wir möchten nicht zuletzt Freiburger Frauen und Familien ermöglichen, den Ort der Geburt Ihres Kindes frei wählen zu können und den Prozess von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett selbstbestimmt und hebammengeleitet zu durchleben - selbstverständlich in Kooperation mit interessierten niedergelassenen Gynäkolog*innen, von denen bereits mehrere freundliches Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet haben, sowie den geburtshilflichen Kliniken unserer Stadt.


Mit einem einmaligen Investitionskostenzuschuss von 50.000€ würden Sie unserem Geburtshaus-Projekt „auf die Welt“ helfen und die Eröffnung im Sommer 2021 ermöglichen. Die restliche Finanzierungslücke werden wir Hebammen aus unseren privaten Mitteln beitragen.


Wir möchten Sie im Namen der Hebammen-Gemeinschaft, aber vor allem im Namen der Freiburger Familien herzlich dazu einladen, mit einem Investitionskostenzuschuss stellvertretend für die Stadtverwaltung Teil des Geburtshaus-Projekts zu werden - für die Zukunft unserer familienfreundlichen

Stadt, für selbstbestimmte Geburt und einen geborgenen, gut betreuten Start ins Leben.


Mit freundlichen Grüßen

Sarah Wong-Herrlich

als Vertreterin des Teams des Geburtshaus Freiburg



Informationen dazu, wie Ihr das Geburtshaus Freiburg unterstützen könnt, findet Ihr hier.

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