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2020 - Das Jahr der Pflegenden und der Hebammen


Wir freuen uns über die besondere Form der Anerkennung, die unserem Berufsstand (und dem der Pflegenden) in diesem Jahr anlässlich des 200. Geburtstag von Florence Nightingale, widerfährt. 

Welch große gesamtgesellschaftliche Relevanz das Thema Hebammenversorgung global hat, hat der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Bekanntgabe des Themenjahres treffend zusammengefasst:


„Die WHO ist stolz darauf, 2020 als das Jahr der Pflegenden und Hebammen zu nominieren. Diese beiden Gesundheitsberufe sind unschätzbar wertvoll für die Gesundheit der Bevölkerung. Ohne sie werden wir die Nachhaltigen Entwicklungsziele und eine universelle Gesundheitsversorgung nicht erreichen können. 2020 wird sich darauf fokussieren, die enormen Entbehrungen und Leistungen von Pflegefachpersonen und Hebammen hervorzuheben und sicherzustellen, dass wir den Mangel an diesen lebenswichtigen Berufen adressieren.“ 


Trotz der großen öffentlichen Sympathie, die Hebammen im Allgemeinen entgegenschlägt, sind die berufspolitischen Zahlen schockierend. Etwa 5-7 Jahre bleibt eine Hebamme derzeit durchschnittlich in ihrem Beruf, bevor sie dem Hebammenwesen oder zumindest der Geburtshilfe den Rücken kehrt. Die Gründe dafür sind vielseitig - beispielsweise, weil sie kein Arbeitsumfeld findet, in dem sie reinen Gewissens arbeiten und ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen kann (Stichwort Eins-zu-Eins-Betreuung), oder weil ein starres Schichtdienst-System ihr keinen Raum für ein eigenes Familienleben lässt. Viele Kolleginnen leiden unter den unzähligen „fachfremden Zusatzarbeiten“ wie z.B. Organisations- und Verwaltungsaufgaben, die zunehmend mehr Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Laut einer aktuellen Umfrage spielen derzeit 40 % aller Hebammen mit dem Gedanken, ihre Arbeitszeit generell zu reduzieren, über ein Viertel denken an die gänzliche Aufgabe - und dies in einem Beruf, der ohnehin ein überdurchschnittlich hohes Maß an Idealismus und Herzblut voraussetzt.


Die Bewerberzahlen der Hebammenschulen sinken von Jahr zu Jahr - und dieser Trend wird sich mit der Umsetzung der Akademisierung (die auch wir für dringend notwendig erachten) nochmals verschärfen.

All diese Zahlen sind deshalb so problematisch, weil bereits jetzt über 50% aller Kliniken in Deutschland nicht alle Planstellen besetzen können. 70% aller Kliniken rechnen aber in den kommenden Jahren sogar mit einem weiter steigenden Bedarf an Hebammen.


Diesem Abwärtstrend möchten wir nicht länger tatenlos zusehen. Neben den Forderungen nach adäquat (1:1) betreuter und selbstbestimmter Geburtshilfe, die wir für alle Freiburger Frauen und Familien vertreten, ist dies ein weiteres Kernanliegen: die Neuschaffung attraktiver und sozialverträglicher Arbeitsbedingungen für Hebammen. 


Wir möchten für uns und unsere zahlreichen Bewerberinnen ein solidarisches Arbeitsumfeld mit möglichst flachen Hierarchien kreieren, das es jeder einzelnen Kollegin möglich macht, Familie/ Privatleben und Beruf zu vereinen und ein Maß an Arbeitszufriedenheit zu erreichen, das es ihr möglich macht, viele Jahrzehnte glücklich in ihrem Beruf arbeiten zu können.


Nur mit diesem nachhaltigen Ansatz, so glauben wir, kann die allgemeine Abwärtsspirale aufgehalten und umgekehrt werden.


Das große Interesse von Seiten regionaler Hebammenschulen bestätigt uns und macht uns Mut. Wir freuen uns von ganzem Herzen darauf, als möglicher Kooperationspartner jungen, werdenden Hebammen bereits während der Ausbildung einen tiefen Einblick in die freiberufliche Arbeit und außerklinische Geburtshilfe zu ermöglichen und sie zu motivieren, sich ein Arbeitsumfeld zu suchen oder neu zu schaffen, in dem es sich nachhaltig gut arbeiten UND leben lässt.

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